Biobasierte Dämmstoffe: technisch stark, aber kaum genutzt
Obwohl biobasierte Dämmstoffe bei Wärmedämmung, sommerlichem Hitzeschutz und Schallschutz mit konventionellen Materialien mithalten können, bleiben sie im Markt ein Nischenprodukt. Eine deutschlandweite Onlinebefragung im Projekt zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen Einstellung und Nutzung: Auch wenn viele die ökologischen Vorteile anerkennen, setzen nur 10 Prozent der Befragten ausschließlich biobasierte Dämmstoffe ein. Weitere 25 Prozent nutzen biobasierte Materialien in Kombination mit konventionellen Dämmstoffen.
Für über 80 Prozent sind jedoch vor allem technische Eigenschaften wie die Dämmeigenschaft entscheidend. „Unsere Daten verdeutlichen, dass technische Eigenschaften wie Wärmedämmung oder Brandschutz für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer entscheidend sind“, betont Isabella Limbrunner, die das Projekt im Rahmen ihrer Promotion wissenschaftlich bearbeitet. „Nachhaltigkeit wird zwar geschätzt, spielt aber bei der tatsächlichen Materialwahl eine geringere Rolle.“
Kommunale Förderprogramme oft schwer zugänglich
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Wissen über biobasierte Dämmstoffe fehlt vielerorts. Die Literatur zeigt, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher oft unzureichend informiert sind. 54,6 Prozent der Befragten, die biobasierte Lösungen nutzen, aber keine Förderung beantragt haben, wussten nach eigenen Angaben nicht über bestehende Förderprogramme Bescheid. Hohe Suchkosten für Bauende sowie eine ungünstige Platzierung im Handel erschweren die Nutzung zusätzlich.
Da weder Bund noch Freistaat Bayern den Einsatz biobasierter Dämmstoffe spezifisch fördern, können Kommunen eine entscheidende Rolle übernehmen. Einige tun dies bereits – doch die Nutzung bleibt überschaubar. 30 Prozent der Personen, die biobasierte Dämmstoffe eingesetzt haben, stellten einen Förderantrag. Von diesen empfanden 44 Prozent den Prozess als „schwer“ oder „sehr schwer“. 47,2 Prozent kritisierten lange Entscheidungszeiten. Gleichzeitig halten 67,6 Prozent aller Befragten finanzielle Unterstützung für eine geeignete Maßnahme, um biobasierte Dämmstoffe attraktiver zu machen.
Workshop: Austausch über Hemmnisse und Lösungsansätze
Im Workshop „Biobasierte Dämmstoffe und kommunale Förderprogramme“ am 25. Februar in Straubing diskutierten Fachleute aus Kommunen, Behörden, Energieagenturen und Verbänden, wie der Einsatz nachhaltiger Dämmstoffe in Bayern gestärkt werden kann. Genannt wurden fehlende Informationen, Unsicherheiten zu Vorteilen biobasierter Materialien und mangelnde Transparenz kommunaler Förderprogramme. Zugleich wurde betont, dass gut strukturierte und verlässliche Programme den Absatz, das Bewusstsein für ökologische Vorteile und die Wettbewerbsfähigkeit biobasierter Dämmstoffe deutlich erhöhen könnten.
Gefördert wird BioDämm von Januar 2023 bis Ende April 2026 durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.