: Erste Publikation von Sebastian Gründig in Construction Management and Economics veröffentlicht!
Innovative Baumaterialien, wie z.B. Lehmbauplatten, können einen positiven Beitrag zur Reduzierung der CO₂-Emissionen im Bausektor leisten. Dennoch setzen sich solche Produkte im privaten Wohnungsbau nur langsam durch. Neben dem höheren Preis ist ein Grund dafür, dass private Bauherren die entscheidenden Eigenschaften dieser Materialien, etwa ihre Wirkung auf das Raumklima, die Wohngesundheit oder die Ökobilanz, weder vor noch nach dem Kauf selbst beurteilen können.
Um zu verstehen, wie Materialentscheidungen in diesem Kontext tatsächlich getroffen werden, untersucht diese Arbeit die Rolle von Zwischenakteuren (Intermediären), also der Architekten, Bauingenieure und Handwerker, die zwischen Herstellern und privaten Bauherren stehen. Grundlage sind 15 qualitative Experteninterviews, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass private Bauherren die Beurteilung dieser Materialien systematisch an Intermediäre delegieren, weil ihnen selbst das nötige Fachwissen fehlt. Die Studie unterscheidet dabei zwei funktionale Gruppen von Intermediären: planende Akteure wie Architekten, die Materialien früh im Prozess festlegen, und ausführende Gewerke wie Zimmerer oder Trockenbauer, die über die tatsächliche Umsetzung entscheiden. Beide Gruppen üben ihren Einfluss sowohl direkt aus, etwa durch Empfehlungen und Ablehnungen, als auch indirekt, zum Beispiel durch Vorauswahl, Sortimentsentscheidungen und das stille Ausschließen von Optionen. Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für Hersteller und politische Entscheidungsträger, um die Verbreitung innovativer und nachhaltiger Baumaterialien im privaten Wohnungsbau gezielter zu fördern.
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